


Als mich Pater Gahlen vor Monaten bat, auf diesem Provinzkapitel einige Gedanken zur MSC-Gemeinschaft vorzutragen, habe ich - wie dies nun mal meine leichtfertige Art ist - spontan zugesagt, ohne dass mir überhaupt klar war, worauf ich mich da eigentlich eingelassen hatte.
Am Anfang schwebte mir eine in sich geschlossene theoretisch und ideologisch untermauerte Stellungnahme zu Wert und Würde einer Ordensgemeinschaft an der Schwelle eines neuen Jahrhunderts bzw. eines neuen Jahrtausends vor. Aber sehr schnell merkte ich, dass ein derart bombastisches Kolossalgemälde weit über meine Möglichkeiten und vor allem über meine intellektuellen Fähigkeiten hinausging. Falls so etwas überhaupt möglich wäre, müsste man zumindest Insider sein, ich aber bin nun mal ein Außenseiter. Und als Außenseiter hat man nicht den Einblick und schon gar nicht den Durchblick und Überblick, der zu einer umfassenden Bestandsaufnahme und Beurteilung nötig ist.
Was ich allenfalls habe, ist der sogenannte "Klosterblick", wie man ein bisschen spöttisch, aber auch verständnisvoll in der Geschichtswissenschaft im Zusammenhang mit der Germanenbekehrung die Sicht und die Darstellungsweise der Mönche nennt, welche, wie hierzulande die legendären beide Ewalde, die Götterwelt und das Brauchtum der Germanen vor ihrem missionarischen Hintergrund schlicht und einfach als Teufelswerk und dämonisches Brimborium abtaten und dementsprechend aufräumten. Dieser "Klosterblick", dieser Blick durch das Klosterfenster heraus, ist - das kann auch gar nicht anders sein - eingeschränkt. Auch mein "Klosterblick", jetzt im umgekehrten Sinne der Blick durch das Klosterfenster hinein - ist eingeschränkt, ja beschränkt in des Wortsinns ursprünglicher Bedeutung, denn mein Erfahrungs- und Erlebniswelt ist nun mal weitgehend auf Homburg, auf das Johanneum fixiert. Und punktuelle Beobachtungen in diesem begrenzten Bereich zu verallgemeinern ist von der Sache her riskant.
Was also bleibt und möglich ist, ist eben kein Kolossalgemälde, sondern ein mehr oder weniger hingetupftes Aquarell mit einem sehr subjektiven Erlebnishintergrund, vor dem mehr episodenhaft einige Begebenheiten und Gedanken skizziert werden, die zudem stellenweise stark personenbezogen sind, vielleicht aber doch ein Mosaik ergeben, in dem sich die MSC-Gemeinschaft in ihrer Einbindung in die heutige Welt und heutige Kirche vielleicht ansatzweise wiedererkennen kann.


